Ein fast perfektes Comeback

Degendamen der TSG Friesenheim verpassen siebten Pokalsieg um Haaresbreite
Friesenheim/Alsfeld. (01.06.19)

Friesenheims Degendamen haben ihre Pokalfinal-Teilnahme versilbert. Nach zwei Jahren Durststrecke durfte das Team erneut um den Titel kämpfen. Im allerletzten Gefecht schnupperten die TSG-Damen kurz an der Sensation, doch zum siebten Pokalsieg reichte es nicht.

Seit seiner Einführung im Jahr 1991 ist das Damendegen-Team der TSG Friesenheim Dauergast im Deutschland-Pokal-Finale. 13 Mal stand es bereits im Feld der besten acht Mannschaften des Landes, zwölf Mal reichte es für eine Medaille. Dieses Jahr standen die Vorzeichen aber denkbar schlecht: Top-Fechterin Renate Alles startete zeitgleich bei der Europameisterschaft im französischen Cognac. Und Lili Plaga stand nur als Betreuerin zur Verfügung, konnte aber selbst nicht auf die Bahn.

So lag es an Bettina Fichtel, Karen, Neuhaus, Carolin Breitwieser und Sonja Tippelt, eine gute Saison zu einem noch besseren Ende zu führen. Unter 61 Mannschaften hatte sich die TSG über die Stationen Canstatt (45:25), Freiburg (44:39) und Waldkirch (45:36) für die Endrunde im hessischen Alsfeld qualifiziert. Als Auftaktgegner wurde den Friesenheimerinnen die Fechtgemeinschaft Segeberg zugelost. Fichtel begann mit einem 4:1-Sieg und schaffte damit die Grundlage, dass ihr Team den Vorsprung defensiv verwalten konnte. Der Abstand vergrößerte sich mit jedem Duell. Neuhaus machte im Schlussgefecht mit 45:30 den Deckel auf eine einseitige Begegnung.

Im Halbfinale wartete mit Vorjahres-Finalist Leipzig eine deutlich stärkere Mannschaft. Neuhaus begann nervös und musste eine 1:5-Niederlage gegen Anne Crustewitz hinnehmen. Fichtel brachte ihr Team einen Treffer heran (5:8), und ausgerechnet Friesenheims Jüngste, Carolin Breitwieser, nahm sich in der brenzligen Lage ein Herz: Sie schaffte Sekunden vor Zeitablauf den wichtigen 10:10-Ausgleich. Über 15:15, 22:22 und 27:27 egalisierten sich beide Teams lange Zeit. Doch die TSG hatte noch Joker Breitwieser in seinen Reihen. Erneut war es die 20-Jährige, die drei Punkte mehr als ihre Gegnerin machte und die TSG im siebten von neun Gefechten erstmals in Führung brachte (35:32). Neuhaus hielt den Abstand, und Fichtel brachte den Sieg mit 45:43 über die Ziellinie. Großer Jubel bei Friesenheim, große Enttäuschung bei Leipzig.

Fehlstart im Finale

Nach ihrem überraschenden FiP1060746naleinzug bekamen es Friesenheims Damen mit den Fechterinnen vom Olympiastützpunkt Heidenheim zu tun, die sowohl 2018 als auch 2017 den Pokal gewonnen hatten. Bettina Fichtel ließ sich davon wenig beeindrucken und startete mit einem fulminanten 5:2-Erfolg über Sina Albrecht. Carolin Breitwieser musste in ihrem ersten Kampf dann aber die Überlegenheit von Heidenheims Nummer eins, Anna Jonas, anerkennen, die den Rückstand in eine 10:7-Führung drehte. Auch Neuhaus sah gegen Lilia Carducci nicht gut aus, kassierte vier Treffer, ohne selbst einen zu setzen. So lag Friesenheim bereits nach drei Gefechten aussichtslos mit sieben Punkten hinten. Der Rückstand vergrößerte sich zwischenzeitlich auf bis zu neun Treffer – im Degenfechten kaum aufzuholen.

Doch die TSG raffte sich noch einmal auf, verkürzte den Abstand auf sieben Zähler. Schlussfechterin Fichtel ging wie entfesselt auf die Bahn, setzte fünf Einzeltreffer in Folge und erwischte Heidenheims Jonas auf dem völlig falschen Fuß. 38:40 – die Sensation war zum Greifen nahe. Die ehemalige Bundeskader-Fechterin bewies dann allerdings, dass sie auch in hitzigen Situationen cool bleiben konnte. Sie befreite sich aus Fichtels Bedrängnis und holte ihrem Team mit 45:40 den insgesamt dritten Pokalsieg in Folge. Bei Friesenheims Damen währte die Enttäuschung nur kurz. Nach dem Ausfall von gleich zwei wichtigen Team-Mitgliedern hatte kaum jemand mit einem so starken Ergebnis gerechnet. dpla